Am Sonntag abend kurz vor Sonnenuntergang haben wir St. Lucia verlassen und sind nun in Richtung St. Maarten unterwegs.
Schon nach wenigen Meilen haben uns Delfine begruesst. Leider war es schon dunkel und wir konnten sie kaum sehen. Auch unsere Freunde, die fliegenden Fische haben wir wieder zu Hauf gesehen. Und wieder einmal heisst es Nachtwachen schieben. Da wir dieses Mal nur zu dritt sind, bedeutet dass zwei Stunden Dienst und vier Stunden Schlaf. Die erste Nachtwache verlief ruhig und wir sind gut gesegelt, doch waehrend meiner 6-8 Uhr morgens Schicht liess der Wind nach und wir mussten den ganzen Tag mit dem Motor fahren. Dafuer war aber auch die See schoen glatt und wir schipperten langsam an den ostkaribischen Inseln vorbei. In Richtung Norden kommt nach St. Lucia zuerst Martinique, gefolgt von Domenica und Guadeloupe. Dank der Windstille konnten in aller Ruhe kochen und auch Mal was auf dem Tisch stehen lassen ohne dass es durch die Kombuese fliegt.
Christos hatte Pasta zum Abendessen gekocht und wir hatten gegessen und waren gerade dabei einen Kaffee zu trinken und Kaffeestueckchen aus St. Lucia zu essen, als es auf einmal einen Schlag tat. Das Boot wurde durchgeruettelt und der Motor fing an zu spucken und zu kreischen. Mike sprang auf, wobei er seinen Kaffee im ganzen Cockpit verteilte, um den Motor auszuschalten, Christos holte die Taschenlampen und dann sahen wir die Bescherung. Wir waren mitten in ein Fischernetz gefahren, und das 20 Seemeilen vor Guadeloupe. Das Netz war nur mit weissen und blauen Bojen markiert, hatte aber kein Licht, und wir haetten es im Dunkeln unmoeglich sehen koennen.
Wobei, Netz ist eigentlich falsch, Es waren eher Seile an die Palmblaetter geknotet waren und uns wurde ganz schoen mulmig. War es vielleicht eine Falle von Piraten, die unser nun manoevrierunfaehiges Boot entern wollten? Oder dient die Konstruktion dem Drogenschmuggel? Oder waren es doch nur Fischer? Aber soweit draussen? In jedem Fall, Piraten wollten wir nicht in die Haende fallen und auch Drogenschmuggler oder Fischer waeren bestimmt nicht begeistert uns in ihrem Netz wiederzufinden. Nachdem wir noch einmal versucht hatten, den Motor zu starten (was auch gelang, allerdings nur unter sehr ungesunden Geraeuschen, so dass wir es lieber sein liessen), beschlossen wir uns frei zu schneiden. Wir kappten das Seil soweit wir konnten an Heck und Bug und drifteten langsam, aber immerhin, von der Stelle weg, an der wir uns verfangen hatten. Trotzdem hatten wir immer noch etwas unter dem Boot. Wir wussten nicht, ob sich etwas im Kiel, im Ruder oder im Propeller verfangen hatte.
Und obwohl wir sonst immer fuer einen Nachttauchgang zu haben sind, waere es wohl nicht schlau gewesen im Dunkeln, bei 1.300 Metern Wassertiefe in der Naehe eines Fischernetz ins Wasser zu gehen. Denn kleine Fische sind Futter fuer grosse Fische und wir konnten das Risiko einen Hai zu treffen einfach nicht abschaetzen. Ganz abgesehen davon wimmelte es im Wasser von Drueckerfischen, die sich ziemlich territorial verhalten koennen und schon so manchem Taucher in die Flossen gebissen haben. Delfine haben wir auch gehoert und selbst denen moechte ich nicht unbedingt nachts unter diesen Bedingungen begegnen.
Wir beschlossen also erst am naechsten Morgen unter das Boot zu tauchen und zu schauen, was sich wirklich darunter verfangen hatte. Leider herrschte immer noch eine Flaute, und das hiess, dass unsere zwei Arten der Fortbewegung ausser Kraft gesetzt waren. Wir konnten ohne Wind nicht segeln und der Motor wollte auch noch nicht so wir wollten. Also mussten wir uns treiben lassen. Doch wer denkt, wir haetten eine ruhige Nacht gehabt, hat sich getaeuscht. In der Karibik wimmelt es von Kreuzfahrtschiffen, die beleuchtet wie Weihnachtsbaeume zwischen den Inseln kreuzen, und da wir manoevrierunfaehig waren mussten wir aufpassen, dass keines Kurs auf uns nahm. Zum Glueck sind sie alle (in dieser Nacht waren es vier an der Zahl) in einigem Abstand an uns vorbei gefahren, ansonsten haetten wir sie anfunken muessen mit der Bitte auszuweichen. Ausserdem hatte ich noch die Piraten oder Drogenkuriere im Kopf, waehrend Mike sich Sorgen machte, ob er das Boot vielleicht aus dem Wasser nehmen muesste oder wie wir in St. Maarten ohne Motor einlaufen sollten.
Am naechsten Tag, gleich nach Sonnenaufgang haben Christos und ich uns dann tauchfertig gemacht. Wir haben unsere Neoprenanzuege angezogen, als Schutz vor Quallen und unsere Tarierjackets, mit denen wir uns ueber ein Seil am Boot festgeklippt haben.
Ein bisschen nervoes machte uns nur das kleine Boot, das in einiger Entfernung an Bojen rumwerkelte. Waren das etwa die Fischer / Drogenschmuggler / Piraten? Zum Glueck konnten wir schon beim ersten Blick unter das Boot das Problem sehen:
Einige Seile hatten sich im Propeller verfangen, weshalb auch der Motor nicht wirklich laufen wollte. Wir hatten unsere Tauchmesser dabei, aber brauchten sie noch nicht mal. Christos musste nur zweimal tauchen und schon hatte er das Seilgewirr vom Propeller abgezogen. Wir haben noch gecheckt, ob die Propellerblaetter beschaedigt waren und ob sie sich ausfalten lassen, aber alles schien ok zu sein.
Die Erleichterung war gross, Wir waren mit einem blauen Auge davon gekommen. Und ich glaube Mike war ganz schoen froh, dass er mit uns zwei Taucher mit an Bord genommen hatte.
Waehrend wir mit dem Propeller beschaeftigt waren, schwamm eine Goldmakrele an uns vorbei. Das ist der Fisch, den wir auf der Ueberfahrt gefangen haben. Er wird hier auch Mahi Mahi genannt und es war das erste Mal fuer mich, dass ich ein lebendes Exemplar gesehen habe.
Ausserdem gab es unter dem Boot kleine Fische, die waehrend der Nacht die Bootunterseite zu ihrem neuen zu Hause erkoren hatten. Drei davon dachten wohl, ich waere ihre Mama und schwammen staendig unter mir.
Nachdem wir aus dem Wasser geklettert waren, probierten wir den Motor aus, der wieder lief wie am Schnuerrchen und nahmen Kurs auf St. Maarten, weg von jeglichen Piraten oder Fischern. In der Nacht waren wir ein bisschen vom Kurs weggedriftet, wie ihr hier auf unserem GPS sehen koennt.
Wir waren keine zehn Minuten unterwegs, als wir wieder Delfine sahen. Wir hatten Mike vorher schon gefragt, ob wir das naechste Mal, wenn wir Delfine sehen, anhalten koennten, um mit ihnen zu schwimmen und da die See spiegelglatt war (im wahrsten Sinne des Wortes, wie ihr sehen koennt)
und kein Windchen wehte, war er einverstanden. Jetzt war es also soweit. Wir waren sowieso noch nass, die Kamera noch im Gehaeuse und schwuppdiwupp waren wir wieder angeklippt und im Wasser. Um mit Delfinen zu schwimmen! Es war fantastisch! Ungefaehr zwanzig bis dreissig Tiere waren im Wasser und sind fuer bestimmt eine halbe Stunde bei uns geblieben. Wir hatten genug Zeit zum fotografieren, filmen, staunen und dem Schnattern und Fiepen der Delfine lauschen. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass man die Tiere nicht vermenschlichen sollte, kann man sich nicht gegen den Eindruck wehren, sie haetten eine Menge Spass und spielten. Wie sie sich gegenseitig ueberholen, aus dem Wasser springen und zurueck tauchen, auf dem Ruecken unter anderen durchschwimmen und dieses freundliche, aufgeregte Schnattern…
Nachdem sie abgetaucht waren, sind wir wieder an Bord gegangen und Mike hat zur Feier des Tages eine Suesswasserdusche spendiert.
Christos wollte gerade anfangen Fruehstueck zu machen, als wieder Delfine auftauchten. Diesmal sind wir nicht ins Wasser gegangen, sondern zum Bug, wo wir den Delfinen prima beim Spielen zu schauen konnten. Die Wasseroberflaeche war spiegelglatt und wir konnten bis tief ins Wasser sehen. 
Mama und Baby
Ups, ja auch ein Delfin muss mal. Haha!
Grandios! Leider waren unsere neuen Freunde nicht sehr springfreudig, aber einen habe ich doch beim Springen mit der Kamera erwischt.
Zwei Videos von unseren Delfin Freunden gibt es hier:
http://www.youtube.com/watch?v=pMF0iJtmMto
http://www.youtube.com/watch?v=F8MeoQXNSNY
Es war mittlerweile schon nach elf Uhr, als wir endlich beim Fruehstueck sassen und uns freuten, dass wir fuer eine bange Nacht mit so einem herrlichen Morgen entschaedigt wurden.
Der Rest des Tages verlief gemächlich, hin und wieder schauten die Delfine kurz bei uns vorbei, aber der Wind wollte noch immer nicht staerker werden.
Wir fuhren an Montserrat vorbei. Das ist naemlich nicht nur eine Opernsaengerin, sondern auch eine (ehemals?) britische Insel noerdlich von Guadeloupe. Die Insel besteht eigentlich nur aus einem Vulkan, der auch noch ziemlich aktiv ist. Wir hatten zumindest ein bisschen Staub an Deck und nehmen an, dass der vom Vulkan stammt. Der letzte grosse Ausbruch war jedoch in 1995, als ein Vulkanausbruch die Hauptstadt der Insel, Plymouth, zerstoerte. Zwei Drittel der Bevoelkerung verliessen danach Montserrat. Vom Meer aus kann man gut sehen, wo sich die Lava ihren Weg ins Wasser gebahnt hat.
Und weihnachtlich wurde es auch noch heute, am 22. Dezember. Wie waren nach dem spaeten Fruehstueck am ueberlegen, ob wir Mittagessen kochen sollten oder doch lieber bis zum Abendessen warten sollten, als Mike den Vorschlag machte, wir koennten ja Stollencake essen. Stollencake? Hoert sich nach Stollen an, oder? Und tatsaechlich foerderte er einen Christstollen zu Tage, den er in Portugal bei Lidl gekauft hatte.
Stollen ist zwar in England kaum verbreitet, doch Mike hatte mal deutsche Nachbarn und daher kannte er Stollen und Lebkuchen. Angeblich brachten seine Nachbarn nach Weihnachten auch Schokoladeneier aus Deutschland mit, aber ich glaube da hat er etwas verwechselt.
Das Abendessen heisst heute Pizza, die Sonne ist schon untergegangen und gerade fahren wir an St. Kitts und Nevis vorbei. Danach heisst es zum letzten Mal Nachtwache, bevor wir morgen frueh in St. Maarten ankommen sollten.































